Durch die Teilnahme am Modellprojekt AnJa werden Menschen mit Behinderungen zu ehrenamtlicher Tätigkeit in gemeinnützigen Organisationen ermutigt.
Andererseits integrieren gemeinnützige Organisationen die besonderen Fähigkeiten von behinderten Menschen - vielleicht erstmalig - in ihre hauptamtliche Arbeit. Die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderungen ist ein Anliegen der gesamten Gesellschaft, welches sich zum Beispiel in dem 2002 auf Bundesebene beschlossenen Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen und der Verabschiedung eines entsprechenden Behindertengleichstellungsgesetzes auf NRW-Ebene zeigt. Auch im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003 stand dieses Thema besonders auf der Tagesordnung. Ziel dieser Kampagne auf europäischer Ebene war es, Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung von behinderten Menschen zu propagieren. Viele Behinderte wollen nicht mehr ausgrenzende Fürsorge, sondern uneingeschränkte Teilhabe; nicht mehr abwertendes Mitleid, sondern völlige Gleichstellung; nicht mehr wohlmeinende Bevormundung, sondern das Recht auf Selbstbestimmung. In der Regel gehen Aktivitäten zur Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft von einer "Defizitorientierung" aus. Hierbei werden behinderte Menschen als Menschen mit Einschränkungen gesehen.
Zielsetzungen derartiger Integrationsbestrebungen sind der Abbau von Barrieren im weitesten Sinne, die die gesellschaftliche Integration erschweren (" Herstellung barrierefrei gestalteter Lebensbereiche"). Bei dem Ziel des Abbaus von Barrieren zur gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen mag diese "Defizitorientierung" zuerst richtig und konsequent sein. In einem umfassenden Sinne ist eine gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderungen erst dann zu realisieren, wenn die "Defizitorientierung" in der Kommunikation von behinderten und nicht behinderten Menschen in den Hintergrund tritt und die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen durch nicht behinderte Menschen neu fokussiert wird, die Kompetenzen von Behinderten in den Blick genommen werden.
In dem Modellprojekt AnJa werden behinderte Menschen als Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten - als Experten wahrgenommen! Nicht behinderte Menschen in gemeinnützigen Organisationen und Bürger können in der Zusammenarbeit Menschen mit Behinderungen als Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Kompetenzen erfahren und erleben. Behinderte Menschen können in ihrer freiwilligen Tätigkeit neue soziale Kontakte knüpfen, Selbstvertrauen stärken/entwickeln und positive Erfahrungen in Organisationen und im zwischenmenschlichen Kontakt erleben
Die Zielgruppe des Modellprojektes "AnJa" sind Menschen deren
"...körperliche Funktionen, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit... von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und die daher in ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist." (§ 2, Abs. 1 SGB IX).
Dabei werden die unterschiedlichen Grade von Behinderungen im Rahmen des Modellprojektes berücksichtigt, ohne die Notwendigkeit der Vorlage eines Behindertenausweises.
Für die Teilnahme am Modellprojekt ist vielmehr die individuelle körperlich/seelische Verfassung und die Motivation zu freiwilligem Engagement, unabhängig vom Alter entscheidend.
Grundlage der Beratung ist das persönliche Gespräch eines/r Modellprojektmitarbeitenden mit den an ehrenamtlicher Tätigkeit Interessierten. Während des Gesprächs werden die Motive, Wünsche, Fähigkeiten, örtliche und zeitliche Möglichkeiten, aber auch die Einschränkungen der Interessierten thematisiert.
Das Ergebnis der Beratung ist offen, die Beratenen entscheiden, was sie machen sowie ob, wann und wo sie aktiv werden wollen.
Um freiwilliges Engagement zu fördern, neue Freiwillige zu gewinnen und ehrenamtliche "Mitarbeiter" mit Behinderungen in ein Team von Hauptamtlichen zu integrieren, bedarf es einer attraktiven, sinnvollen, barrierefreien und adäquaten Gestaltung des Arbeitsfeldes. Folgende Aspekte werden in der Beratung von Organisationen zur Aufnahme von Ehrenamtlichen berücksichtigt:
Die Beratungstätigkeit innerhalb des Modellprojektes wird in einen kontinuierlichen Prozess der Begleitung von Freiwilligen und Organisationen münden.
Kontakt:
Birgit Scheller
Ulla Ostermann
Modellprojekt "AnJa"
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Moers
Rheinberger Straße 17
47441 Moers
Tel.: 02841-100117
Fax: 02841-100118
E-Mail .